Wissenschaftliche Koordinatorin

Dr. Mariam Hammami

Universitätsstraße 150
44801 Bochum 
Raum GB 5/138
Tel. +49 (0)234 32 17905

mariam.hammami@rub.de

Forschungsprojekt

Bild und Sprache programmatisch hybridisierende Formen wie Rebusse, Alphabet- und Sprichwortbilder oder Mikrographien fungierten in der Frühen Neuzeit nicht nur als gattungsübergreifende künstlerische Experimentierfelder, sondern vor allem – so die Leitthese des Projekts – als signifikante Träger einer spezifischen Bild- und Sprachreflexion im ästhetischen Vollzug. Die in exemplarischen Fallstudien zu untersuchenden Druckgraphiken, Gemälde, Zeichnungen und Objekte der angewandten Kunst verbinden dabei gezielt differenzierte mediale Verfahren der Gestaltung, Kommunikation, Sinn- und Wissensproduktion mit ihren je eigenen materiellen, (multi)sensorischen und semantischen Dimensionen zu einer irreduziblen Matrix. Damit entziehen sie sich gleichsam kategorial sowohl tradierten theoretischen Vorstellungen wie dem Topos des ut pictura poesis als auch den etablierten Ansätzen der Intermedialitätsforschung.

In diesem Zusammenhang reflektieren diese medialen Hybride abhängig von ihrer jeweiligen inhaltlichen und funktionalen Ausrichtung zum einen den anthropologischen Status, die (heils)geschichtliche Stellung oder die erkenntnisstiftende Wirkung von Bild und Sprache(n). Zum anderen loten sie die medialen Strukturen und Repräsentationsformen von individueller sowie kollektiver Identität und Distinktion, von sozialen Normen, aber auch von ästhetisch vermittelten Zugängen zur göttlichen Transzendenz sowie von künstlerischer und literarischer Praxis aus. Sie avancierten damit, wie unter Rückgriff auf ikonographisch-ikonologische, rezeptionsästhetische und bildwissenschaftliche Zugriffe sowie unter Einbezug neuerer Ansätze der Material Culture Studies, der kulturanalytischen Sprachwissenschaft sowie der Kulturtransferforschung herausgearbeitet werden soll, zu kontextgebundenen Denkfiguren sowie ästhetischen Trägern einer sprachbezogenen Bildkultur respektive visuellen Sprachkultur, in der die spezifischen Potenziale der Medien beständig neu ausgelotet wurden.

Vita

Seit 01/2025: Wissenschaftliche Koordinatorin im GRK 2945

04/2020-12/2024: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen

07/2022: Promotion an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit der Arbeit „Veritatis Imago. Visuelle Konzepte der Wahrheit in der niederländischen Druckgraphik des 16. und 17. Jahrhunderts“

Seit 12/2021: Assoziiertes Mitglied im Teilprojekt C4 „Intermedialität als Ansatzpunkt ästhetischer Reflexion in der niederländischen Druckgraphik der Frühen Neuzeit“ des SFB 1391 Andere Ästhetik

04/2017–07/2020: Kollegiatin im Graduiertenkolleg „Religiöses Wissen im vormodernen Europa“ an der Eberhard Karls Universität Tübingen

11/2015–03/2017: Wissenschaftliche Hilfskraft am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz

10/2008–10/2015: Magisterstudium der Kunstgeschichte, Geschichte, Klassischen Archäologie, Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft sowie Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Publikationen

Monographie

Veritatis Imago. Visuelle Konzepte der Wahrheit in der niederländischen Druckgraphik des 16. und 17. Jahrhunderts, Berlin / Boston 2023 (Andere Ästhetik – Studien 4).

Herausgeberschaft

Mit Anna Pawlak und Sophie Rüth: (Re-)Inventio. Die Neuauflage als kreative Praxis in der nordalpinen Druckgraphik der Frühen Neuzeit, Berlin / Boston 2022 (Andere Ästhetik – Studien 2).

Aufsätze

„Più fortuna che senno“. Stefano della Bellas „Rebus über das Glück“, in: KWI-BLOG (https://blog.kulturwissenschaften.de/piu-fortuna-che-senno/), 17.02.2025.

(Un)sichtbare Wahrheit. Ambivalenzen des Blicks im Triumphus Veritatis nach Maerten de Vos, in: Sandra Linden / Daniela Wagner (Hgg.): Handelnde Personifikationen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Ästhetische Reflexionen in Text und Bild, erscheint voraussichtlich 2025.

Kollektive memoria und die Produktivität der Zerstörung. Die Antwerpener Zitadelle in der niederländischen Bildkultur der Frühen Neuzeit, in: Ekaterini Kepetzis / Maria Männig (Hgg.): Populäre Bildkulturen der Vormoderne. Prozesse der Produktion, Distribution und Rezeption, Berlin / Boston 2024, S. 199–222.

Gemalte res publica. Zur kreativen Aneignung der Antike(n) im ehemaligen Rathaus von Amsterdam, in: Laura Di Carlo / Johannes Lipps / Anna Pawlak / Daniel R. F. Richter (Hgg.): Andere Ästhetik meets Andere Ästhetik. Visualisierungen von Antiken nördlich der Alpen in der frühneuzeitlichen Druckgraphik, Berlin / Boston 2024 (Andere Ästhetik – Studien 5), S. 319–359.

Disziplinierung der Bilder. Mediale Strategien konfessioneller Aneignung in Jan Evertsz. Cloppenburghs Doolhof van de dwalende Gheesten, in: Mariam Hammami / Anna Pawlak / Sophie Rüth (Hgg.): (Re-)Inventio. Die Neuauflage als kreative Praxis in der nordalpinen Druckgraphik der Frühen Neuzeit, Berlin / Boston 2022 (Andere Ästhetik – Studien 2), S. 163–196.

Mit Charlotte Baumann und Sophie Rüth: Topographie der Erkenntnis. Claes Jansz. Visschers (Re-)Inventio der Tabula Cebetis nach Hendrick Goltzius, in: Mariam Hammami / Anna Pawlak / Sophie Rüth (Hgg.): (Re-)Inventio. Die Neuauflage als kreative Praxis in der nordalpinen Druckgraphik der Frühen Neuzeit, Berlin / Boston 2022 (Andere Ästhetik – Studien 2), S. 107–136.

„Dein Reich komme“. Der Lauf der Welt und die Macht des Gebets in Maarten van Heemskercks Vaterunser (1572), in: Ariane Koller / Sophie Rüth (Hgg.): Maarten van Heemskerck & Co. Welt/Bewegend, Ausst.-Kat. Graphische Sammlung am Kunsthistorischen Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen, Tübingen 2022, S. 86–103.

Transformierte Tradition. MelencoliaDie Drei Grazien und die Vergänglichkeit der Zeichen, in: Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Hg.): Ungeordnete Koordinaten, Stuttgart 2021 (Publikation der Meisterschülerinnen und Meisterschüler des Weißenhof-Programms der ABK Stuttgart), o. S.

Wahrheitsansprüche in Bild und Text. Die Figur der Veritas auf Titelblättern religiöser Schriften aus Antwerpen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in: Annette Gerok-Reiter / Anne Mariss / Markus Thome (Hgg.): Aushandlungen religiösen Wissens – Verfahren, Synergien und produktive Konkurrenzen in der Vormoderne. Negotiated Religious Knowledge – Methods, Interactions and Productive Rivalries in Premodern Times, Tübingen 2020, S. 101–125.

Begriffliche und historische Grundlagen, in: Eveline G. Bouwers: Gotteslästerung in Europa. Religionsvergehen und Religionskritik seit 1500. Materialien für den Unterricht, Schwalbach 2017, S. 23–37.

Katalogbeiträge

Hans Collaert d.Ä., Die Nachfolge Christi (Die Wahl zwischen Gut und Böse), 2. Hälfte 16. Jh., in: Kristina Scepanski / Sarah Siemens (Hgg.): Der Westfälische Kunstverein in 113 Werken, Münster 2025, Kat.-Nr. 78.

Der Mensch versucht sich von der Herrschaft des Teufels zu befreien, in: Ariane Koller / Sophie Rüth (Hgg.): Maarten van Heemskerck & Co. Welt/Bewegend, Ausst.-Kat. Graphische Sammlung am Kunsthistorischen Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen, Tübingen 2022, Kat.-Nr. 11, S. 148–151.

‚Die Vermessung der Welt‘. Globus nach der Weltkarte der Maʾmūn-Geographen, in: Charlotte Trümpler (Hg.): Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität, Ausst.-Kat. Museum Giersch Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2014, S. 348f.