Jan Seiwerth, M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Universitätsstraße 150
44801 Bochum
Raum GB 5/139
Promotionsprojekt
Geharnischte Gewissheiten: Rechtliche, mediale und soziale Evidenzpraktiken der Gewalt(de)legitimation und Reichexekution am Beispiel der Grumbachschen Händel (1552–1567)
Mitte des 16. Jahrhunderts avancierten der fränkische Ritter Wilhelm von Grumbach (1503–1567) und seine Gefolgschaft durch eine Reihe gewalttätiger Konflikte zu den kontroversesten Persönlichkeiten des Alten Reiches. Auf der Höhe der sogenannten Grumbachschen Händel entwickelten sie ein enormes militärisches Potential mit der Absicht, eine allgemeine Adelsrevolte anzuführen, deren Rechtmäßigkeit sie in ihren Drucken, Korrespondenzen und sogar vor Gericht zur Kund taten.
Ziel der Dissertation ist es, nachzuzeichnen, wie Grumbach und seine Verbündeten die Legitimität ihres brachialen Vorgehens behaupteten und bewiesen. Dabei mussten sie auf bedeutende Umwälzungen im politischen Diskurs reagieren. Denn sie operierten in einer Zeit, in der mit der zögerlichen Etablierung des Fehdeverbotes und der angestrebten Durchsetzung eines obrigkeitlichen Gewaltmonopols die Normen, die die Akzeptanz politischer Gewalt regelten, in Flux waren. Zur Umsetzung dieses Vorhabens bedient sich die Arbeit des Konzepts der Evidenzpraktiken, also jenen Verfahren, die eine Behauptung ihrer Unsicherheit entkleideten und sie stattdessen mit einer „Aura der Unanfechtbarkeit“ (Ludwig Jäger) bedeckten.
Dabei liegt der Arbeit nicht ein einzelner Quellentyp zugrunde. Stattdessen verfolgt sie einen multiperspektivischen Ansatz, der sich aus Material unterschiedlichen Ursprungs speist. Bei diesem handelt es sich um die verwahrten Visionen eines in Gotha tätigen Hellsehers, die Akten der Prozesse vor den Reichsgerichten wie auch die publizierten Drucke aus dem Umfeld Grumbachs.
Vita
10/2016-04/2020: Bachelorstudium der Geschichte und Anglistik/Amerikanistik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
05/2020-04/2024: Masterstudium der Geschichte und English-Speaking-Cultures an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
10/2023-11/2023: Forschungspraktikum am Deutschen Historischen Institut der Max-Weber-Stiftung in Rom
01/2023-07/2023: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte der Medizin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Seit 10/2025: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Graduiertenkolleg 2945 „Wissen – Glauben – Behaupten. Wahrheitsproduktion und Wahrheitsdurchsetzung in der Vormoderne“
Publikationen
Rezensionen
Rezension von: Sven Externbrink. Charles-Édouard Levillain (Hg.): Penser après Louis XIV. Histoire, mémoire, representation (1715–2015), Paris: Honoré Champion 2018, in: H.Soz.Kult [06.10.2020].
Rezension von: Maria Ángeles Martín Romera, Hannes Ziegler (Hg.): The Officer and the People. Accountability and Authority in Pre-Modern Europe, Oxford: OUP 2012, in: H.Soz.Kult [23.03.2023].
